Frühgeborene und BPD
Warum es eine neue Lösung braucht
Frühgeborene gehören zu den verletzlichsten Patientinnen und Patienten der Medizin. Laut WHO kommt weltweit rund jedes zehnte Kind zu früh zur Welt. Viele sehr kleine Frühgeborene brauchen auf der neonatologischen Intensivstation Atemunterstützung und haben ein hohes Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD), eine chronische Lungenerkrankung mit langen Klinikaufenthalten, intensivmedizinischer Versorgung und dauerhaften Einschränkungen der Atmung.
Eine inhalative Therapie wirkt direkt in der Lunge und belastet den übrigen Körper weniger als eine systemische Behandlung. Deshalb ließe sie sich auch vorbeugend einsetzen. Unter Atemunterstützung geht jedoch ein Großteil des Medikaments verloren: Es wird in den gesamten Atemgasstrom vernebelt und dabei verdünnt, lagert sich in den Schläuchen ab oder entweicht über Leckagen. Bei den sehr kleinen Atemzugvolumina der Frühgeborenen ist die Dosis, die in der Lunge ankommt, gering und kaum vorherzusagen.
Die systemische Gabe dagegen belastet den ganzen Körper und kann bei Frühgeborenen erhebliche Nebenwirkungen haben. Sie wird deshalb meist erst eingesetzt, wenn ein Lungenschaden bereits entstanden ist. Genau an dieser Versorgungslücke setzt InhalPlus an.
InhalPlus schließt diese Lücke mit einer patentierten, nicht-invasiven Bypass-Technologie für die inhalative Medikamentengabe in der Neonatologie.
InhalPlus schließt diese Lücke mit einer patentierten, nicht-invasiven Bypass-Technologie für die inhalative Medikamentengabe in der Neonatologie.
Unsere Lösung
Statt das Medikament in den gesamten Atemgasstrom zu vernebeln, zweigt das InhalPlus Bypass-System einen Teilstrom von rund einem Liter pro Minute aus dem Beatmungskreislauf ab, reichert ihn mit Aerosol an und gibt ihn direkt an der Nase des Kindes ab. In Laborstudien mit einem Frühgeborenen-Atemsimulator erreichte das System eine bis zu achtfach höhere inhalierte Dosis als das klinische Standardsystem.
Das System besteht aus Basiseinheit, Patientenset und Therapieset und arbeitet mit gängigen CPAP-Geräten, nasalen Prongs und Mesh-Verneblern. Das Therapieset wird an das bereits angelegte Patientenset angesteckt, ohne den Kreislauf zu öffnen: Der PEEP bleibt erhalten, die Atemunterstützung läuft weiter, das Kind muss nicht umgelagert werden. Die Anforderungen von Pflegekräften aus mehreren Kliniken sind in das Design eingeflossen.
Unser erster Schwerpunkt ist die inhalative Therapie bei Frühgeborenen mit hohem Risiko, um einer BPD vorzubeugen oder ihren Verlauf abzumildern. Als Nächstes soll das System in einer klinischen Proof-of-Concept-Studie erstmals bei Frühgeborenen unter CPAP eingesetzt werden.
Bestätigt sich die höhere Dosis in der Klinik, könnte InhalPlus erstmals eine wirksame, vorbeugende lokale Therapie ohne invasive Eskalation ermöglichen. Das hat das Potenzial, Atemverläufe zu stabilisieren, Komplikationen zu verringern und Liegezeiten auf der Intensivstation zu verkürzen.
Marktpotenzial
Der Markt ist klar abgegrenzt und klinisch verankert: Frühgeborene, die auf spezialisierten neonatologischen Intensivstationen unter Atemunterstützung behandelt werden, insbesondere mit langem Verlauf und hohem BPD-Risiko.
Laut WHO kommen weltweit jedes Jahr rund 13,4 Millionen Kinder zu früh zur Welt. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden jährlich rund 37.000 Frühgeborene mit CPAP behandelt, darunter die Hochrisikogruppe, die am stärksten von chronischen Atemwegskomplikationen betroffen ist.
Die neonatologische Intensivversorgung ist stark zentralisiert. Vergleichsweise wenige Perinatalzentren der höchsten Versorgungsstufe behandeln einen großen Teil dieser Kinder. Das ermöglicht einen fokussierten Markteintritt über Referenzzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab 2029 und eine effiziente Skalierung.
Gesundheitsökonomisch ist die Belastung durch BPD erheblich. Kinder mit chronischen Atemwegskomplikationen benötigen oft lange Intensivaufenthalte und dauerhaft intensive Versorgung. Schon moderate Verringerungen der Liegedauer, der Eskalationen oder der Langzeitmorbidität können für Kliniken und Gesundheitssysteme einen erheblichen Nutzen bringen.